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Die Bollatrice des Enrico Dani

Dani vs. Daguin - Die drei verschiedenen in Italien verwendeten Handstempelmaschinen

veröffentlicht in Italien-Rundschau Nr.70/2012

englische Version veröffentlicht in fil-Italia 156 / Spring 2013

Die "bollatrice inglese" (Pearson Hill)

In Italien wurden vermutlich drei verschiedene Handstempelmaschinen benutzt. Die erste - eine englische Stempelmaschine - ist in Italien als "bollatrice tipo inglese" bekannt. Sie wurde einige Wochen im Frühjahr 1864 in Turin ausprobiert (25. Februar bis 10.Mai). Eine weitere Verwendung fand diese Maschine in den Jahren 1868 und 1869 in Florenz. Es existieren einige Umschläge mit Abschlägen aus dem November 1863 aus Florenz, sodass vermutlich die ersten Versuche dort stattfanden. Die Abschläge diese Maschine sind einfach zu erkennen, da sie eine typisch englische Gestaltung aufweisen, die sonst in Italien nicht verwendet wurde. Der Vergleich dieser Gestaltung mit englischen Maschinenstempeln führen zu dem Schluß, dass es sich um eine Pearson Hill Maschine handelt.

Am einfachsten findet man einen Pearson Hill Abschlag aus Italien indem man einen Brief nimmt, der 1868/1869 nach Florenz gegangen ist. Die Maschine wurde auch für ausgehende Post verwendet, dies aber erheblich seltener. Die Abschläge "tipo inglese" sind in Italien gut bekannt, da sie in relevanten Briefmarkenkatalogen als Beispiel für zeitgerechte Stempelabschläge gezeigt werden. Die Tatsache, dass es sich um einen Maschinenstempel handelt wird aber nur selten erwähnt.

Italy vs. France: 1876 vs. 1881 or: Dani vs. Daguin

In diesem Abschnitt stelle ich die Darstellung die Bruno Crevato-Selvaggi in seinem Buch Il Nuovo Gaggero meinen Kommentaren gegenüber. Um das Lesen zu erleichtern wechseln sich die Zitate mit meinen Kommentaren ab.

Als die Nummernstempel eingeführt wurden, mußte alle Post - mit Ausnahme von Drucksachen - mit zwei Stempeln versehen werden. In kleinen Postämtern mit geringem Postaufkommen stellte dies kein Problem dar. Für die großen und wichtigen Postämter, die ein größeres Postaufkommen zu bearbeiten hatten, führte diese doppelte Arbeit zu Schwierigkeiten und Verzögerungen. Aus diesem Grunde endschied die Postverwaltung "den wichtigsten Haupt- und Bahnhofspostämtern eine Stempelmaschine" zu liefern, welche "neben der Geschwindigkeit den Vorteil hat, dass der Aufgabestempel und der Entwerter gut lesbar abgeschlagen werden" (Zitat aus dem Bulletin). Die Stempelmaschine brachte Stempel an, die paarweise auf einer einzelnen Platte graviert sind. Von diesen Platten sind noch viele im Postmuseum erhalten. Die zu stempelnde Post wurde mit zwei Händen vorgelegt und mit einer einzelnen Fußbewegung wurde der Stempel angebracht. Diese Stempelabschläge sind klar und deutlich und beide Abschläge sind perfekt parallel, was uns erlaubt, diese Stempel auf den ersten Blick zu erkennen.

Die ersten Tests mit dieser Maschine aus der Werkstatt von Enrico Dani aus Florenz fanden 1877 in Florenz und Rom statt. 1879 wurde die Maschine verteilt und eingeführt. Sie wurde für einen langen Zeitraum genutzt, sogar noch nach der Abschaffung der Nummernstempel.

Keine Einwände gegen diese ersten beiden Absätze. Einzig: die erwähnten Jahreszahlen sind zu spät. Die ersten Versuche mit der "bollatrice di Officio Enrico Dani di Firenze" - meistens abgekürzt zu "bollatrice OED" - wurden im Oktober 1876 in Florenz durchgeführt. Im Dezember wurde die Maschine in Rom vorgefürt. Die offizielle Ankündigung der Maschine erfolgte im April 1877 in der Ankündigung, in der auch die Designänderung der Nummernstempel angekündigt wurde. Die Bahnhofspostämter in Rom, Mailand und Florenz nutzten die OED schon im Januar 1877 regelmäßig - also drei Monate vor der offiziellen Einführung. Zwischen April und Juni wurden einige weitere Postämter mit der OED ausgestattet: in Genua gab es vermutlich zwei Maschinen: eine im Bahnhofspostamt und eine in der Hauptpost, welche nah am Hafen liegt, und deshalb viel ausländische Post zu bearbeiten hatte.

Weil der Tagesstempel und der Nummernstempel auf eine Platte eingraviert waren, war man gezwungen die Nummernstempel nach 1889 weiter zu benutzen, um die Vorteile der Maschine nutzen zu können.

Dies stimmt nicht. Die Dani-Maschine im Postmuseum in Rom hat zwei einzelne Stempelplatten. Die Anordnung entspricht der Anordnung, wie sie in den 1870/1880ern Jahren verwandt wurde: dort ist die Nummer links und dar Datumsstempel rechts angebracht. ein andere Argument gegen diese These ist die Verwendung von "Tondi Riquadrati" in Kombination von Nummernstempeln, dass die Verwendung der Nummernstampel durch die gemeinsame Stempelplatte erzwungen wurde. Ferner kann die Benutzung einzelner Platten in einer Duplex Maschine vor der Erfindung der Daguin-Maschine z.B. durch Kopfsteher des Nummerstempels nachgewiesen werden. Sogar die vielen verschiedenen Typen, die für einige Städte beobachtet werden, sprechen gegen die Wahrscheinlichkeit, dass in der Dani-Maschine nur eine Stempelplatte (mit zwei Stempeln) verwendet werden konnte.

Inzwischen hatte 1881 Eugene Daguin in Frankreich eine ähnliche Maschine erfunden, welche statt einer einzigen Stempelplatte zwei verschiedene Stempel nutzte. Diese Maschine wurde ab 1884 benutzt und wurde so berühmt, dass sie den Namen für diese Art von Stempeln gab. Einige Jahre später wurde diese Maschine auch in Italien eingeführt. Die italienischen Duplex-Stempel, die man finden kann, unterscheiden sich also in zwei Arten: eine einzelne Stempelplatte und zwei Stempelplatten, welche mit der Dagiun Maschine angebracht wurden. Es gibt keine Unterscheidungsmerkmale ausser dem Datum und der Paare. Ältere Stempel - darunter nahezu alle "Großen Kreisstempel"/Nummern Kombinationen - stammen von einer einzelnen Platte, die anderen Paare stammen eher von einer Daguin.

Ich stimme damit überein, dass es keine speziellen Elemente gibt, anhand derer man einen Dani Stempel von einem Daguin Stempel unterscheiden könnte. Solche kann es auch nicht geben, denn in beide Maschinen werden ein oder zwei normale Handstempel eingesetzt, die, wenn sie nicht in einer Maschine eingesetzt sind, auch als Handstempel verwendet werden können. Also sind Dani und Daguin Stempel nahezu nicht zu erkennen, wenn nur ein einzelner Stempel in die Maschine eingesetzt ist. Für die Daguin-Maschine kann der Haltestopfen [Haltestopfen]eine Nachweismöglichkeit sein, aber weder das klassische Daguin Kriterium - 28 mm Abstand zwischen den beiden Stempelmitten - noch das klassische Dani Kriterium - die Parallelität der Stempelabschläge - klären im Falle eines einzelnen Stempels.

Die italienischen Sammler nennen diese "vom Fernrohr" (a cannocciale), wobei sie vergessen, dass das Fernrohr nur eine Linse hat, nicht zwei. Dies geht auf eine Fehlinterpretation des Originalvorschalgs von Emilio Diena zurück, der "Brille" (ad occhiale) vorgeschlagen hatte. Sie verwenden auch den Namen "Daguin" in einer generalisierenden Weise, welche auch die Abschläge mit einer Stempelplatte umfaßt. Ebenso kommt "verbundene Stempel" (bollo abbinato) oder "Duplex" vor. Mir scheint dies der korrekteste und umfassenste zu sein und verwende ihn deshalb in diesem Buch.

Josz lieferte einige "Tondo-riquadrato" Duplex-Stempelplatten: : Firenze Ferrovia, Genova Ferrovia (zwei), Genova Centrale, Piacenza, Avellino, Macerata, Milano Esposizione (1), Milano Esposizione (2).

Keine weiteren Einwände. Wie gesagt, ich glaube nicht an die "Einzelne Platte gleich Dani, zwei Platten gleich Daguin Theorie", aber es scheint sinnvoll, Daguin nicht als Generalbezeichnung für Duplex-Stempel zu benutzen.

Neben den Stempeln von Josz sind andere Paarungen mit einem "Tondo riquadrati" bekannt: mit einem anderen "Tondo riquadrati", mit einem großen Kreisstempel und Spätverwendungen der Nummernstempel. Letztere sind sicherlich die spektakulärsten und sind zum Beispiel in 1896 für "Novara Ferrovia" aber auch für Treviso, Ravenna und Ferrara bekannt.

aus: Bruno Crevato-Selvaggi : Il Nuovo Gaggero, Catalogo die bolli tondoriquadrati del Regno d’Italia, Vignola, 2002 Übersetzt durch Roberto M. und Stephan J.

Ich glaube, genügend klar gemacht zu haben, dass ich die These Bruno Crevato-Selvaggis nicht teile, dass all diese Stempelpaare von einer Daguin-Maschine stammen. Aber nun ist Zeit, ein wenig Licht in eine seltsame Situation zu bringen: ein Italiener denkt, dass diese Stempel von einer französischen Maschine stammen, während ein Deutscher glaubt, dass es sich um eine italienische handelt. Ich habe wenigstens zwei Quellen für die Meinung Bruno Crevato-Selvaggis entdeckt: eine italienische und eine englische.

Das Post & Telegraphie Museum in Rom

Das Museum befindet sich im Keller des ehemaligen Postministeriums, welches nun eine Abteilung des Wirtschaftsministeriums ist. Es zeigt sowohl eine Daguin als auch eine Dani-Maschine in der ständigen Ausstellung. Die Daguin Maschine ist sehr hervorgehoben im Mittelpunkt des "Historischen Postamtes" aus dem "Herzogtum Parma" vom Ende des 19ten Jahrhunderts aufgestellt. Diese Zuordnung ignoriert, dass keiner der "Antiken Staaten" - also auch Parma nicht - Stempelmaschinen zur Postbearbeitung nutzte. Und auch der angegebene Zeitrahmen ist missverständlich: das Herzogtum Parma endete vor 1860/61, also näher an der Mitte den am Ende des 19. Jahrhunderts.

Die Dani-Maschine des Post und Telegraphie Museums in Rom.

Im Gegensatz dazu befindet sich die Dani Maschine auf dem untersten Glasboden einer Vitrine, welche Uniformteile und andere Postutensilien vom Anfang des 19ten Jahrhunderts zeigt. Die Stempelplatten, die Bruno Crevato-Selvaggi erwähnt, befinden sich an einer anderen Stelle des Museums. Die eingesetzen Stempel zeigen den Nummernstempel links vom Datumsstempel - dies widerlegt also die These, dass die Dani nur eine Stempelplatte aufnehmen konnte.

Kurz: Als ich das Museum besuchte, bekam ich dass Gefühl, dass nicht alle gezeigten Objekte von Personen mit vollem Wissen platziert und beschrieben worden waren. Nicht falsch verstehen: das Museum ist großartig und zeigt viele interessante Gegenstände. Es ist immer eine Reise nach Rom wert. Es ist empfehlenswert vorher eine Verabredung zu treffen, da das Museum keine festen √-ffnungszeiten hat.

Colin Pilkerton und der Italy & Colonies Study Circle (ICSC)

Bruno Crevato-Selvaggi gibt Cursores Artikel von Colin Pilkerton Colin Pilkington , "Progressione delle ricerche relative alla duplice timbratura nel Regno d’Italia", Cursores 12, 1982 in der Bibliographie seines Buches an. Ich habe diesen Artikel nicht gelesen - hat irgendjemand ein Exemplar übrig? - habe aber die Artikel die u.a. J.D. Hayburst, Roy Dehn, Michael Scott-Archer, Alan Becker and Colin Pilkerton in der Fil-Italia, der Zeitschrift des ICSC, veröffentlicht haben, gelesen. Colin Pilkerton war der Redakteur von Fil-Italia und merkt 1986 an, das der Cursores Artikel ein - gescheiterter - Versuch war, die Diskussion von England nach Italien zu tragen. Mir scheint, dass weder der Katalog der Italia '76 mit der Briefmarke zum 100 jährigen der "bollatrice a mano" noch die Arbeiten der Gebrüder Ornaghi je seine Aufmerksamkeit erregten. Es ist bemerkenswert, dass die Ornaghi Brüder nicht im Literaturverzeichnis von Bruno Crevato-Selvaggi vorkommen.

Der ICSC hat sich schon früh mit den Duplex-Stempeln Italiens beschäftigt. Im Jahrgang 1 - dies ist das Jahr 1974 - zeigt J.D. Hayburst einen Duplex Stempel von Florenz. Dieser Stemepl besteht aus zwei eindeutig unterschiedlichen "Tondi riquadrati" - insbesondere weisen die Buchstaben von "FERROVIA" deutlich unterschiedliche Höhen auf. Die Mittelpunkte dieser beiden Stempel liegen genau 28mm auseinander. Der gezeigte Stempel ist vom 21.11.1903, ein zweiter florentinscher aus 1901 wird erwähnt sowie ein GENOBA FERROVIA vom 29.06.1893. Hayburst gibt die Kriterien für einen Daguin Stempel - zwei eindeutig unterschiedliche Stempel, welche 28 mm auseinander liegen - an und erwähnt einige Details zum geschichtlichen Hintergrund der Daguin-Maschine. Er erwähnt, das Louis Goubin die Geschichte von Eugen Daguin publiziert hat und erwähnt eine Liste der bekannten französischen Daguin-Abstempelungen. Aus der Anzahl der bekannten Daguin Abschläge für Rumänien schließt er, dass die rumänische Postverwaltung einige Maschinen gekauft hat, während er für Italien anmerkt: "es wurde nur wenig philatelistische Material gefunden und es gibt keine Informationen in den Archiven, so dass nur der Schluß gezogen werden kann, dass hier eine Maschine gelegentlich benutzt wurde."

Erwartungsgemäß bringen die nächsten Ausgaben der Fil-Italia weitere Daten und Orte: Roy Dehn berichtet zwei Stempel aus Florenze - 1903 und 1905 - und Michael Scott-Archer hat einen aus NAPOLI von 1893. Colin Pilkerton trägt 8 verschiedene Postkarten aus Florenz bei, alle aus 1903. Pilkerton schlägt vor, dass der Daguin Stempel ein regulärer Stempel für Florenz in 1903 sein könnte. Die wird von Hayburst beantwortet: "Ich denke, die Schlußfolgerung ist, dass FIRRENZE FERROVIA eine Maschine von 1901 bis 1905 in Verwengung hatte; Ich bin nicht sicher, daß abgeleitet werden kann, dass dies die reguläre Methode der Postbehandlung für Post durch dieses Postamt war. Es mag sein, dass diese Maschine 1893 gekauft wurde und dann für kurze Zeit in Genua und Neapel benutzt wurde, bevor sie für acht Jahre eingelagert wurde. Vielleicht taucht eines Tages was aus den PTT Archiven auf. Ich frage mich, warum die Maschine aus der Benutzung genommen wurde; die Franzosen haben ihre bis in die 1960er benutzt. "

Mit diesem Statement endet das Jahr 1974. Die nächsten Jahre bringen Stempelmeldungen, Venedig von 1897, Florenz von 1899, usw. 1978 faßt Colin Pilkinton die Funde zusammen. Die Zusammenfassung schließt mit der rhetorischen Frage: "Handelt es sich um echte Daguin Abschläge?" die er wie folgt beantwortet: "Es kann keinen Zweifel geben, dass es sich bei all diesen Beispielen in der Tat um Duplex-Stempel handelt: die Gleichmässigkeit der zwei Abschläge, der konstante Abstand zwischen ihnen, und Unterschiede in der Größe der Buchstaben der beiden Elemente beweisen dies. ... Ich habe Mr. Hayburst Statement erneut gelesen ... daß die ausschlaggebende Charakteristik eines Daguin der exakte Abstand von 28mm zwichen den beiden Stempelmitten ist. ... Wenn dies der Fall ist, so empfehle ich jedem, den Abstand zwischen Mittelpunkten der Duplex Nummernstempel zu messen. Man wird dort 28 mm finden. Und hier steht ausser Frage, dass eine Daguin Maschine involviert ist, denn ich habe Duplex Stempel aus 1880 - also bevor die Daguin Maschien erfunden wurde. Die Konsequenz dieser Beobachtung is m.E. klar. Wenn ein Postamt in Italien in 1880 einen Duplex Stempel anbringen konnte, bei dem die Mitten der beiden Elemente genau 28mm auseinanderliegen, stellt sich die Frage, über welche Stempel wir in den 1890ern reden? Ein Daguin Stempel, oder eine Weiternutzung des gleichen Stempels, der schon benutzt wurde?"

Ich denke diese Frage wurde auch im Cursores Artikel gestellt. Fünf Jahre später - in 1987 - veröffentlicht er die erste italienische Antwort auf den Cursores Artikel: Prof. Nello Bagni meldet zwei Abschläge aus Florenz, in dem zwei verschiedene Typen innerhalb von 3 Tagen in 1901 benutzt wurden, sowie einige Abschläge aus Bologna. Nicht desto trotz schließt Colin Pilkerton die Debatte Ende 1987 mit einer "provisorische Klassifikation", wie er seinen letzten Artikel zum Thema überschreibt. Dieser Artikel bringt einige neue Daten - diese muß ich noch mit meinem Katalog abgleichen - aber die Verbindung zur "bollatrice a mano" fehlt immer noch.

Zusammenfassung

Diese Kritik mag erbsenzählerisch klingen. Im Gegenteil - ich denke das Colin Pilkington und der ICSC großartige Arbeit geleistet haben. Ihnen fehlte lediklich ein kleines Puzzelteilchen, wie es z.B. die Ankündigung der "Neuen Gestaltung der Nummernstempel" im Bulletin (Ausgabe 4, 1877) darstellte, in der auch die Einführung einer Stemeplmaschine angekündigt wurde.

Meine Position läßt sich wie folgt zusammenfassen: Die Dani-Maschine wurde 1876 in Florenz entwickelt. Die ersten Versuche wurden im Bahnhofspostamt in Florenz durchgeführt. Ich glaube, die die Dani Maschine in Florenz mehr als 30 Jahre eingesetzt wurde: meine Sammlung enthält für nahezu jeden Monat zwischen Oktober 1876 und 1906 Belege. In diesen 30 Jahren hat es viele Veränderungen in der Gestaltung der beiden Stempelelemente gegeben. Dies sind nicht nur die offensichtlichen √"nderungen (Nummernstempel => Tondi Riquadrati), aber keine einzige √"nderung führt zu dem Schluß, dass eine neue Technik - sprich eine andere Maschine - eingeführt wurde. Ein Beispiel: Nach dem offiziellen Ende der Nummernstempel in 1890 wurden in Florenz für ca. 3 Jahre die Nummernstempel weiterverwendet. 1892 werden dann Paare von Kreisstempeln im Rostviereck (Tondi Riquadrati) verwendet. 1896 tauchen die Nummernstempel wieder auf - zuerst auf Belegen mit "philatelistischem Hintergrund". Bis Ende 1899 lassen sich Nummernstempel nachweisen, wobei insbesondere die späten Exemplare deutliche Abnützungserscheinungen zeigen. Also wurden wieder Tondi Riquadrati verwendet, wobei in einigen Fällen einer der Tondr Riquadrati durch einen "Großen Kreisstempel" ersetzt wurde. Aus der Anzahl der unterschiedlichen Konfigurationen - TR+TR, GSC+TR, TR+GSC - die teilweise sogar am selben Tag vorkommen - mag man schließen, das Firenze Ferrovia mehr als eine Stempelmaschine benutzte. Aber: ich finde keinen Hinweis, dass es sich dabei um Maschinen unterschiedlicher Hersteller handeln muß. Ich denke, dass einfache Handstempel in die Maschine eingesetzt wurden. Dass also der Maschinenbediener zwei Stempel aus dem Pool der Handstempel entnahm und in die Maschine einsetzte. Als Grund für die Verwendung von zwei Stempeln nehme ich an, dass dadurch die Trefferfläche, also die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Entwertung der Marken, verdoppelt werden sollte. Die "Pool Theorie" ist auch eine Erklärung für die Existenz der "Tondi Riquadrati - Nummernstempel" Kombinationen, wie sie z.B. in Treviso und Siena vorkommen.

Fußnoten

[Haltestopfen] Die Daguin Maschine hat manchmal ein "Drittes Auge" in festen Abstand zu den Stempelabschlägen. Dieser Haltestopfen wird von Dieter Kopp detailliert im "Rundbrief der Arge Briefpostautomation 2012-1" beschrieben. Die Dani Maschine hat diesen Haltestopfen nicht, ein Abschlag mit Haltestopfen wäre also der Beweis für die Verwendung der Daguin in Italien.